Ars Electronica
Ars Electronica 1986
Festival-Programm 1986
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Festival 1979-2007
 

 

Transformation der Bewegung
Terminal Kunst – 1. Ausstellungsteil

Franz Xaver Mittermair

Seit Juni 1985 arbeite ich an einem Projekt, das es ermöglicht, Bewegung – beispielsweise die eines Menschen – in Ton und Bild, also in eine andere Form der Wahrnehmung, umzuwandeln. Bewegung bedeutet für mich Zeit: Zeit als eine Dimension der Erfahrung. Mein Ziel: Bewegung transformieren in Ton und Tonstrukturen beziehungsweise Farbe und Formen. Ein Tänzer tanzt nicht mehr zu einer Musik, die von außen kommt. Er hat die Möglichkeit, seine Musik direkt durch seine Bewegungen zu erzeugen. Der Maler malt nicht mehr mit dem Pinsel (Verzögerung durch materielle Hindernisse), sondern bewegt sich direkt in seinem Bild mit Farben und Formen. Gegenwartsverarbeitung des Wahrnehmbaren Entstehung der Zeit.

In einem Raum werden durch einen Projektor, in dem sich ein bewegtes Uhrwerk befindet, Zahnräder auf einer Wand abgebildet (siehe Skizze 2). Zwischen den Zahnrädern liegt eine Fläche, die immer im direkten Projektionslicht ist. In dieser Fläche sind Lichtsensoren befestigt (siehe Skizze 3). Auf diese Sensoren fällt nur dann ein Schatten, wenn eine Person durch den Projektionsraum geht. Diese Person schaltet durch ihre Bewegung die einzelnen Lichtsensoren aus oder ein. Die Sensoren sind mit einem Computer gekoppelt, der Töne und Grafik erzeugt.

Jedem Sensor ist ein bestimmter Ton zugeordnet. Den Sensoren, die sich in der unteren Hälfte des Bildes befinden, sind Rhythmustöne (Trommeln und Becken) zugeordnet. Diese können durch den Schatten der Beine aktiviert werden. In der oberen Hälfte des Bildes sind den Sensoren Keyboardtöne zugeordnet, die man mit den Armen oder mit dem Oberkörper verändern kann. Beine für Rhythmus – Arme für Melodie. Mit einer Videokamera wird das ganze Geschehen auf den Monitor gespielt. Jeder Sensor wird mit einem bestimmten Punkt im Bild gekoppelt. Bei eingeschaltetem Sensor, wenn dieser im Schatten der Person ist, wird von dem Punkt aus das Bild durch Kreise und Linien überzeichnet (Überzeichnung seiner selbst). Bei ausgeschaltetem Sensor kehrt das ursprüngliche Bild zurück.