Ars Electronica
 
 
 

Prix Ars Electronica
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Prix-Jury

 
 
Veranstalter
ORF Oberösterreich

Statement der Jury für Computermusik

Die Preisträger der Goldenen Nica und der beiden Auszeichnungen wurden ausgewählt, weil der Einsatz der verfügbaren technischen Ressourcen von Inspiration und Imagination bestimmt wird. Die preisgekrönten Arbeiten illustrieren die vielfältigen Aspekte der heutigen Computermusik und sind in einen dynamischen und jeweils sehr persönlichen Kontext eingebettet.

Die von der Jury vergebenen Anerkennungen zeichnen Stücke aus, die nicht nur eine hohe Qualität aufweisen, sondern die auch Musterbeispiele charakteristischer Stile und Genres innerhalb des weiten Feldes zeitgenössischer Computermusik sind. Trevor Wisharts "Tongues of Fire" ist ein 25minütiges Stück für Tonband solo. Es wendet eine Vielzahl von Techniken der Computermusik auf virtuose Art und Weise an und setzt
sie mit großer künstlerischer Phantasie ein. Ein bemerkenswert hohes Maß an Ereignishaftigkeit trägt klare Prozesse der Evolution und Elaboration, und somit ist es einfach unmöglich, beim Anhören dieses Werkes gelangweilt zu sein.

Trevor Wishart komponiert seine elektroakustischen Werke in seinem privaten Heimstudio und hat daher auch nicht die Unterstützung einer großen Institution mit ihrer umfangreichen technischen Ausstattung hinter sich. Obwohl die ihm zur Verfügung stehenden Hardware-Ressourcen vergleichsweise gering sind, beweist sein Werk, daß dies die künstlerische Kreativität oder die konzeptive Einheit nicht beeinträchtigen
muß. Trevor Wishart spezialisiert sich auf die Aufführung elektroakustischer Musik, wobei er elaborierte Mehrkanalsysteme zur Klangverteilung verwendet.

Gilles Gobeils "Le Vertige Inconnu" ist ein kompaktes Werk mit einem klaren formalen Konzept - es baut sich zu einem Höhepunkt auf, wird dabei aber wiederholt von unerwarteten Ereignissen unterbrochen. Gobeil gehört zu einer nicht unbedeutenden Gruppe kanadischer Komponisten, die in der Tradition der "musique concrète" stehen. In seinem preisgekrönten Werk hat er diesen Ansatz auf ein hohes Niveau technischer und künstlerischer Entwicklung gebracht. Besonders auffällig ist sein sehr differenzierter Umgang mit Klangschichten.

" Parcours de l`Entité" des brasilianischen Komponisten Flo Menezes ist ein attraktives Beispiel für die Mischung von instrumentaler Live-Musik mit elektroakustischen Ressourcen. Die gefühlvolle Interaktion zwischen den vorkomponierten Klangstrukturen des Bandes und den instrumentalen Möglichkeiten einer Vielzahl verschiedener Flöten und metallischer Perkussionsinstrumente zeugt von einem hochentwickelten Interesse an der Integration unterschiedlichster Klangfarben. Der Komponist schlägt eine quasi-theatralische Präsentationsweise vor, die eine Aufführung noch lebhafter gestalten sollte.
"Parcours de l`Entité" zeigt einmal mehr, daß sich Südamerika zu einem immer aktiveren und wichtigeren Gebiet für die elektronische Kunst im allgemeinen und für die Computermusik im besonderen entwickelt.

 
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