Ars Electronica
 
 
 

Prix Ars Electronica
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Prix-Jury

 
 
Veranstalter
ORF Oberösterreich

Die Goldene Nica des Prix Ars Electronica 90 für Computeranimation ergeht an Mario Sasso und Nicola Sani für den Film "Footprint".
In der prämierten Sequenz fällt die mit visuellen und akustischen Mitteln erreichte Einheit besonders auf. Der englische Titel, unter dem die Arbeit eingereicht wurde, trifft das Thema nur peripher - treffender wären die Ausdrücke Spuren" oder"Zeitmarken".
Besonderer Erwähnung bedarf die gekonnte Kombination verschiedener elektronischer Darstellungsmöglichkeiten und Methoden: Die Grundlage bilden Satellitenaufnahmen von ungewöhnlichem grafischen Reiz. Aus den Netzwerken der von oben gesehenen Städte, die wie Übergänge zwischen Realaufnahmen und kartographischen Darstellungen anmuten, wachsen in raffinierten collageartigen Übergängen Kunstwerke heraus, die einen assoziationsreichen Bezug zu den Satellitenaufnahmen herstellen.
Eine mögliche Deutung der gezeigten Vorgänge mag der Hinweis auf die Veränderlichkeit der Landschaft sein, ein steter Wechsel, aus dem das künstlerische Werk gewissermaßen als Zeitmarke herauswächst. Die Animation "Footprint" ist ein vorbildliches Beispiel für eine künstlerisch gefaßte Aussage, die sich auf andere Art als unter dem Einsatz elektronischer Mittel nicht hätte machen lassen.

Eine Auszeichnung des Prix Ars Electronica 90 im Bereich "Computeranimation" geht an den Franzosen Philippe Andrevon.
Die Jury prämierte seine Sequenz "Star Life", weil es ihm gelungen ist, unter Einsatz der digitalen elektronischen Technik eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche, heitere und immer wieder überraschende Szenenfolge zu erarbeiten.
Als Basismaterial dienen ihm Ausschnitte aus alten Filmen, die er mit Collage- und Schnittechnik miteinander kombiniert, so daß - zufällig oder gewollt - seltsam anmutende Interaktionen entstehen. Nach seiner eigenen Aussage war es für den Künstler ein Spiel, aus alltäglichen Handlungsmustern etwas Unwirkliches, manchmal geradezu mystisch Scheinendes zu erzeugen. Die rasche Szenenfolge, das gleichzeitige Auftreten verschiedener Stars haben aber auch den Charakter eines Rätselspiels für den Zuschauer, der die Filmstars, manchmal auch die Filmausschnitte, aus denen die Handlungsfragmente stammen, wiedererkennen kann.
Alles in allem versteht Philippe Andrevon sein Werk auch als eine Hommage an die großen Stars des Kinos. Der Meinung der Jury entsprechend hat er mit seiner Technik darstellerische Methoden der Zukunft vorweggenommen, in denen - wahrscheinlich in weitaus banalerer Weise - Filmstars der Vergangenheit, auf digitalem Weg reanimiert, zu neuen Produktionen "verwendet" werden.

Eine weitere Auszeichnung des Prix Ars Electronica im Bereich der Computeranimation wurde der Sequenz "Dirty Power" von Robert Lurye zuerkannt.

Der eingereichte Film gehört zu jenen computeranimierten Sequenzen, in denen realistisch dargestellte tote Objekte zu eigenem Leben erwachen. Die Jury wählte das Werk zur Anerkennung aus, weil es die Technik der 3D-Realdarstellungen einer sachlichen, von allen kitschigen Elementen freien Weise einsetzt, um eine kleine Geschichte zu erzählen.
Im Grunde genommen handelt es sich um die Liebesgeschichte zwischen zwei Steckkontakten, in die nach Absicht des Autors sozialkritische Momente im Zusammenhang mit dem Sexualleben unserer Zeit einbezogen sind. Gerade der Einsatz unbelebter Objekte machte es möglich, das Ritual des Kennenlernens, des Umwerbens und der Vereinigung in aller Deutlichkeit
und doch ohne peinliche Nebeneffekte entsprechender Darstellungen aufzubereiten. Bemerkenswert ist aber auch die Inszenierung selbst, wobei den Ton- und Lichteffekten - ausgelöst durch die Bewegung der Stecker - eine besondere Rolle zukommt.

"Dirty Power" ist ein Beweis dafür, daß die animierten Kurzgeschichten, die in den letzten Jahren im High Tech Bereich der Animation dominant wurden, auch ernsthafte Probleme in ästhetisch einwandfreier Weise originell und witzig behandeln können.

 
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