Ars Electronica
 
 
 

Prix Ars Electronica
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Prix-Jury

 
 
Veranstalter
ORF Oberösterreich

Die Goldene Nica des Prix Ars Electronica 91 für Interaktive Kunst wurde Paul Sermon (Großbritannien) für seine Hyper-Media Arbeit "Think about the people now (Think about the media now)" zuerkannt.

Diese Arbeit ist ein interaktives Werk rund um ein tatsächliches Ereignis vom Dezember 1990, das auch von den Medien behandelt wurde: Bei den Feierlichkeiten zum Remembrance Day übergoß sich ein Protestierer mit Benzin und zündete sich an, wobei er ausrief "Think about the people now" (Denkt an die Leute jetzt!). Das Werk besteht aus zwei getrennten Elementen, die beide auf Interaktivität aufbauen. Im ersten Teil hat Sermon eine umfangreiche Sammlung von Informationen, Filmausschnitten, Klängen und Texten zusammengetragen. Durch den Einsatz der Hyper-Media- Technologie kann der Benutzer dieses Informationspaket auf verschiedene Weise durchwandern, indem er an jedem Punkt die Richtung angibt, die er näher verstehen möchte. Im zweiten liefert Sermon einen Anschluß an Computernetzwerke in anderen Ländern. So kann der Benutzer in Konversation treten und Kommentare mpfangen, während er die Hyper-Media-Datenbank durchwandert. So schließt das Werk sowohl die private Interaktion des Benutzers in der Steuerung des Werkes als auch öffentliche Interaktion ein, in der andere Leute den Betrachter beeinflussen können. Die Jury entschied sich einstimmig für dieses Werk, das eine der wichtigsten Tendenzen in der zeitgenössischen Interaktiven Kunst demonstriert. Diese Art von Arbeit könnte nicht ohne den Computer entstehen und nützt dessen spezielle Fähigkeiten gekonnt aus.


Die Jury hat auch zwei Auszeichnungen für Interaktive Kunst vergeben. Sie gehen an Chico MacMurtrie/Rick Sayre (USA) für ihre Arbeit "The Tumbling Man` und an den Kanadier David Rokeby für sein "Very Nervous System`.
Für " Very Nervous System" hat David Rokeby ein interaktives Environment geschaffen. Während die Besucher es durchwandern, werden genau entsprechend den Bewegungen des Mitwirkenden Klänge erzeugt. In einer Installation wird das Werk im Freien in natürlicher Umgebung aufgebaut. Der Künstler hat eine völlig neue Art musikalischen Instrumentariums geschaffen, das auch Tanzelemente enthält. Rokeby ist seit etlichen Jahren in der Entwicklung dieser neuen interaktiven Technologie tätig, dennoch ist im Werk selbst die verwendete Technik praktisch unsichtbar. Das Schwergewicht liegt zur Gänze auf der interaktiven Performance.


Die andere Auszeichnung geht an Chico MacMurtrie und Rick Sayre für ihre Arbeit " The Tumbling Man". Das Werk besteht aus zwei Mitwirkenden, die mit einer enschenähnlichen Roboterskulptur verbunden sind. Elektronische Sensoren analysieren die Bewegungen der Mitwirkenden, und diese Bewegungen werden vom Roboter kopiert. Allerdings sind die einzelnen Glieder des Roboters mit verschiedenen Teilen beider Mitspieler verknlüpft. So können die Arme eines Mitwirkenden beispielsweise die Arme, die Beine des anderen die Beine des Roboters steuern. Damit der Roboter die beabsichtigten Bewegungen ausfahren kann, müssen die Mitspieler zusammenarbeiten.
Mit der Zeit können sich auch die Verbindungen ändern, sodaß die Mitwirkenden die neue Rollenvertellung der Interaktion erst herausfinden müssen. Dieses Werk ist ein Beispiel für eine kinetische Roboterskulptur, die zwischen den Mitspielern ebenso nach Interaktion verlangt wie zwischen ihnen und dem Roboter. Bereits voriges Jahr hat Chico MacMurtrie ebenfalls für eine interaktive Roboterskulptur, "The Trees are Walking`, eine Anerkennung erhalten. Die Jury war von der Stärke, Fülle und Originalität der Skulpturenarbeit dieses Künstlers ebenso beeindruckt wie vom qualitätsvollen Einsatz der Robotertechnologie und der Einbeziehung der Kommunikation der Mitwirkenden als integriertem Teil des Werkes.

 
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