Ars Electronica
 
 
 

Prix Ars Electronica
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Prix-Jury

 
 
Veranstalter
ORF Oberösterreich

Statement der Jury für Interaktive Kunst


Roger F. Malina


Die Jury für Interaktive Kunst hat entschieden, die Goldene Nica Christa Sommerer und Laurent Mignonneau für ihre interaktive Artificial-Life-Installation "A-Volve" zuzuerkennen. Die Jury faßte einstimmig den Beschluß, dieses Werk anzuerkennen, das dem neuesten Stand künstlerischer Möglichkeiten gerecht wird und sich mit dem neuen Gebiet des künstlichen Lebens befaßt, einer Richtung, die viele künstlerische Möglichkeiten bietet.

Die Auszeichnungen gingen an Loren Carpenter für seine Arbeit "Kinoetic Evolution", die das Publikum in die Arbeit miteinbezieht, sowie an den Kunstverein TRANSIT für seine interaktive, an drei Orten gleichzeitig stattfindende musikalische Performance "realtime".

Beide Auszeichnungen gingen an Arbeiten, die viele Menschen in die Interaktion miteinbezichen. Der Großteil interaktlver Arbeiten hingegen ist für einzelne Benutzer konzipiert; die Jury war daher besonders daran interessiert, jene Arbeiten auszuzeichnen, die neue Möglichkeiten einer computervermittelten Interaktion zwischen einer größeren Anzahl von Menschen eröffnen.

Die Kategorie Interaktive Kunst verzeichnet heuer eine große Anzahl von Einreichungen (mehr als 200), so daß der Wettbewerb um die Anerkennungen sehr hart war. Mehrere Werke, die Virtual-Reality-Technologie verwendeten, wurden in Betracht gezogen. Arbeiten dieser Art, die eine Anerkennung erhielten, waren die Installation für zwei Teilnehmer "PlaceHolder" von Brenda Laurel und Rachel Strickland sowie "Menagerie", die verspielte virtuelle Welt von Susan Amkraut und Michael Girard.

Heuer entschied sich die Jury, Anerkennungen für eine Reihe von Arbeiten zu vergeben, die Entwicklungen neuer Softwarewerkzeuge darstellen und dadurch eine hochwertige künstlerische Entwicklung ermöglichen. Solche Neuentwicklungen sind sehr wichtig, da die meisten Softwaresysteme entweder für kommerzielle, wissenschaftliche öder Zwecke der Massenunterhaltung erstellt werden und sich daher oft nicht besonders für künstlerische Arbeit eignen. Beispiele für solche Arbeiten, die heuer mit Anerkennungen bedacht wurden, sind z.B. "Video Streamer" von Edward Elliott, die eine sehr wirkungsvolle Möglichkeit, Zeitsequenzen von Videomaterial in manipulierbare Formate umzuwandeln, darstellt. Auch die Arbeit "ALIVE" von Pattie Maes - eine virtuelle Umwelt, in der ein Zuschauer mit künstlichen Lebewesen inter-agieren kann -, sowie Wolfgang Krügers "Responsive Workbench", ein computergestütztes Visualisierungssystem, zählen dazu.

Die Jury setzte sich lange damit auseinander, wo denn die Grenzen zwischen innovativen Softwarewerkzeugen und künstlerischer Arbeit anzusiedeln seien, entschied aber dann, daß Arbeiten dieser Art von solchem künstlerischen Interesse sind, daß ihre Einteilung in Kategorien zweitrangig ist. Die Jury möchte bemerken, daß eine bedeutende Anzahl von Künstlern, denen Preise zuerkannt wurden, österreichischer Herkunft sind oder in Österreich arbeiten. Dies spricht für den Erfolg des Prix Ars Electronica und des Festivals Ars Electronica als Anregung an österreichische Künstler, sich mit diesem Bereich zu beschäftigen.

 
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