Ars Electronica
 
 
 

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Prix1987
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


EHRENNICA
Peter Gabriel
Peter Gabriel


Peter Gabriel wurde von der Musikjury des Prix Ars Electronica 87 für sein musikalisches Schaffen und den kreativen Einsatz neuer Technologien symbolisch mit der Goldenen Nica für Musik ausgezeichnet.

Statement
Peter Gabriel


Der Technologie wird oft nachgesagt, sie übe eine enthumanisierende Wirkung aus. Nun, in meiner Karriere war das genau umgekehrt. Durch ihr enormes Angebot an verschiedenen Möglichkeiten verlangte sie viel mehr Entscheidungen und zwang mich so, neue Wege aufzuspüren, um Dinge zu schaffen. Und dies wiederum führte zur Entwicklung einer viel persönlicheren Sprache, eines eigenständigeren Stils.

Ich habe immer gerne mit dem Unbekannten gearbeitet. Jahrelang habe ich von einem Gerät geträumt, das es erlaubt, natürliche Klänge zu manipulieren, und ich war ganz begeistert, als ich den ersten Fairlight kennenlernte. Mit der heutigen Technologie können so viele Parameter von Klang, Rhythmus, Harmonie, akustischem Environment und Aufführungsmechanismen vom Musiker selbst gesteuert werden, daß die einzige Beschränkung letztlich in der Vorstellungskraft liegt.

Sehr viel Forschungsarbeit richtet sich mittlerweile auf die Schnittstelle zum Künstler, etwa auf die Frage, wie wir all die verschiedenen Optionen der Geräte speichern, merken und wiederfinden können. Und einige dieser Überlegungen haben auch mich zu einer Analyse meiner Arbeitsweise veranlaßt.

Scheinbar gibt es zwei Arten von Zuständen, in denen ich gut arbeiten und auch mit der Technologie interagieren kann: Mit einer Energieform, "A" wie "analytisch" benütze ich die Technologie als Instrument für langsame und detaillierte Arbeit. Dies ermöglicht präzises und handwerklich sauberes Arbeiten, kann aber einen Abstand zu den ursprünglichen Ideen und Gefühlen schaffen. Der andere Zustand könnte, "Z"-Energie heißen, wie "Zen", spontan und instinktiv. Da muß alles schnell und fließend dahingehen, die Technologie muß transparent sein, so daß der Künstler die Improvisationen und physischen Reflexe ebenso erfassen kann wie aufblitzende Inspiration (sofern vorhanden), indem er spielt, als wäre das rote Licht an. Dieser Ansatz neigt eher dazu, in groben Strichen und unter dem Zauber der Aufführung zu "malen", kann aber die feineren Details übersehen. Ein Beispiel für "A"- und "Z"-Ansätze wäre etwa im Audio-Mixing zu finden: " A" als eine taktweise computerunterstützte Mix-Arbeit und "Z" ein einfaches "Darübermischen".

Die nächste Generation des Equipment sollte vielleicht beide Ansätze umfassender beinhalten, und wir haben im Studio auch schon begonnen, eine "geschichtete" Performance aufzubauen, in der die Parameter einer Idee schrittweise zusammengesetzt werden: Einer spontanen "Z"-Schicht folgt eine analysierte, korrigierte und weiterentwickelte "A"-Schicht, dieser wiederum die"Z"- Schicht des nächsten Parameters und so weiter. Wir hoffen, daß dies die Stärken und Schwächen von Mensch und Maschine am besten ausnützt.