Ars Electronica
 
 
 

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Prix1987
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


ANERKENNUNG
Medea
Amnon Wolman


Für vier computer-behandelte Stimmen und computergenerierte Klänge

"Medea" wurde unter Verwendung des Systems Concepts Digital Synthesizers und des Lexicon Digital-Hallgerätes am Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) der Stanford University realisiert. Das Konzept des Stük-kes entstand, als ich an der Musik für das Stück „ Medea-Plays " der Stanford Drama-Abteilung arbeitete. Ich beschloß, vier Erzähler einzusetzen, von denen jeder eine andere Versionen der Medea-Erzählung in einer anderen Sprache (Griechisch, Latein, Französisch, Deutsch) rezitiert.

Die Auszüge stammen aus den Stükken von Euripides, Seneca, Jean Anouilh und Heiner Müller. Im Januar 1987 wurden Aufnahmen mit Sabine von Dirke, Beatrice Philibert, Marth Taylor und Livia Tenzer als Erzählerinnen in den vier Sprachen gemacht. Diese wurden dann dem Foonly-4 Computer eingegeben und über diesen und den Lexicon Digital Reverberator bearbeitet. Das Ergebnis dieser Manipulationen wurde mit synthetischen Klängen aus dem System Concepts Digital Synthesizer von Pete Samson abgewischt. Die Klänge sollten eine neue Dimension der Spannung zwischen den künstlichen und den konkreten Klängen erzeugen. Irgendwie habe ich mich bemüht, den griechischen Mythos der entgegengesetzten jüdisch-christlichen Symbolik des Kinderopfers als der allertiefsten religiösen Verpflichtung gegenüberzustellen, etwa bei der Erzählung von Isaak im Alten und Jesus im Neuen Testament. „Medea" wurde zwischen September 1986 und März 1987 geschrieben und ist der Erinnerung aller geopferten Kinder gewidmet.