Ars Electronica
 
 
 

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Prix1988
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


ANERKENNUNG
A Republic
Jeremy Gardiner


Das Bild ist Teil eines Auftragswerkes der General Electric Company. Ich habe 1983 beim Hirst Research Center in Wembley gearbeitet und mir die ganze Forschungstätigkeit dort angeschaut. Diese Arbeiten umfaßten wirklich alles, vom Raketenleitsystem zu CAT-Scans und ich habe all diese Erfahrungen in meinen Arbeitsprozeß hineindestilliert. Ich habe rund 20.000 technische Zeichnungen durchgeschaut, von denen ich einen Teil behalten und in den Minicomputer hineingescannt habe. Irgendwann hatte ich dann gut zwei Meilen von Plotterbildern, die ich mittels PICASO hergestellt habe, das mir eine Manipulation dieser Zeichnungen erlaubt. Ich habe Fragmente alter technischer Zeichnungen in die Maschine gesteckt, und neue kamen heraus. Diese habe ich zu einer Collage verarbeitet, in einem Prozeß, den ich als heuristische Reise ansehe.

Eines der Dinge, die mich an der Möglichkeit der Bilderzeugung mittels Computer so interessieren, ist die Charakteristik der Sprache. Das ist es, was ich in die Bilder hineinbringen möchte, diese harten Linien und die kraftvollen Farben. Mit den Computern entwickelt sich eine neue Sprache, eine neue Realität. Die Photographie hat um die Jahrhundertwende der realistischen Darstellung in der Malerei ein Ende gesetzt. Und es hat gut hundert Jahre gedauert, bis die Photographie in die richtigen Hände gekommen ist. Die Künstler der damaligen Zeit haben die Hände verzweifelt gerungen und geglaubt, die Kunst sei tot. Nachdem MUYBRIDGE seine stop-frame-Fotos von galoppierenden Pferden gemacht hatte, hat sich auch kein Künstler mehr getraut, sie - wie gewohnt - mit gestreckten Beinen zu malen. Auch DEGAS benützte in seinen Gemälden eine Weitwinkel-Vision, die er von der Photographie übernommen hatte. Und so versuche ich eben, diese Seite der Computer-Bilderzeugung in die Kunst zu destillieren. Ich glaube, der einzige Weg das Stigma zu löschen, das diese Bilder in der Kunstwelt tragen, ist, diese Bilder wie und als Kunst zu behandeln; Ölgemälde zu erzeugen, traditionelle Materialien zu benützen. (J. Gardiner)