Ars Electronica
 
 
 

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Prix1990
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


ANERKENNUNG
A Remembrance of the Victims of National Socialism (Prototype)
Michael Rodemer


Michael Rodemer wurde 1953 in Springfield, Illinois, USA, geboren. Seine literarischen und künstlerischen Aktivitäten begann er im Alter von 17 Jahren. 1977 erwarb er den Grad eines Bachelor of Arts in Englisch und Deutsch an der Michigan State University. 1984 promovierte er zum Master of Arts an der Pennsylvania University in Vergleichender Literaturwissenschaft. 1986 erwarb er den Master of Fine Arts in Bildhauerei an der Ohio State University. Seit 1980 zahlreiche Ausstellungen, darunter in der Roberta Kuhn Gallery, Columbus 1988, und bei der ArtWare, Hannover 1990.

Das Kunstwerk „A Remembrance of the Victims of National Socialism" basiert auf der Nutzung der dem Computer eigenen Fähigkeiten: Die Maschine koordiniert die Gesamtheit der Aktionen, die der Künstler beabsichtigt — über eine Zeitspanne hinweg, die die Anforderungen übersteigen würde, welche man vernünftigerweise an die menschliche Geduld und Ausdauer stellen kann. Die Sequenzen der „Rede" können über ein Programm orchestriert werden, ununterbrochen — 24 Stunden am Tag — theoretisch auch über Jahre hinweg. Dieser zeitliche Aspekt der Computeraktivität verleiht dem Kunstwerk eine Begriffstiefe und Glaubwürdigkeit, die es nicht besäße, wenn es — beispielsweise mit einem Tonband auf Endlosschleife aufgenommen — immer und immer wieder dieselben Nummern abspielte.

Besucher, die den zentralen Raum der Gedenkstätten betreten, lösen die Erzeugung von gesprochenen Zahlen und Phrasen aus. Bleiben sie länger in diesem Raum, reagiert das Programm durch zunehmende Lautstärke. Klarerweise ist die wichtigste Interaktion jene zwischen den gehörten Stimmen und dem Bewußtsein des Besuchers: Dadurch wird hoffentlich eine Anzahl kleiner Kettenreaktionen im Geist des Besuchers ausgelöst, indem er das Kunstwerk zu enträtseln und zu erleben versucht. Diese Kettenreaktionen sollten auch außerhalb der Gedenkstätte, in unserem privaten, öffentlichen und politischen Leben, ihren Widerhall finden.

Ein Grund dafür, daß der Computer mich als Medium anspricht, liegt in seinem Potential, die einzigartige, unwandelbare Gestalt traditioneller Medien transzendieren zu können. Indem man die Parameter eines Programms (des Kunstwerkes) arrangiert, kann man ästhetische Erfahrungen gestalten, die sich mit der Zeit entwickeln, wobei man die Komplexität und Flexibilität eines Computerprogramms einsetzt, um die Tendenz zur Wiederholung von „Maschinen-Kunst" zu mildern.

Aber ich glaube, es ist wichtig, daß die Veränderungen in der Zeit und die Interaktivität, die der Computer ermöglicht, nicht zufällige, ziellose Ergebnisse sind, es sei denn, das Kunstwerk hat eben Zufälligkeit zum Gegenstand. Ich glaube, der Computer kann nicht nur benützt werden, um reine Information zu vermitteln, sondern genauso Bedeutungen, Emotionen, Absichten und Einsichten. Es liegt an den Künstlern, das zu tun.