Ars Electronica
 
 
 

Back to:
vorherige Seite

Prix1990
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


ANERKENNUNG
Stringquartett
Åke Parmerud


Åke Parmerud (geboren 1953) ist bereits seit 1978 hauptberuflich Künstler und Komponist. Er hat Musik studiert, ist aber auch gelernter Fotograf und hat 1972—75 als solcher gearbeitet. Seine Werkliste umfaßt Instrumentalmusik, elektroakustische Musik, Multimedia- und Videoarbeiten. Besonders seine elektroakustische Musik ist auf großes internationales Interesse gestoßen und wurde auch mehrmals beim Internationalen Festival für elektroakustische Musik in Bourges prämiert. Etliche Jahre arbeitete er im EMS (Electronic Music Studio) in Stockholm, wo viele seiner Stücke realisiert wurden. Seit 1987 lehrt er Computermusik und Komposition am Konservatorium in Göteborg.

„Stringquartett" ist eine Bandkomposition, bei der ich versucht habe, dem inneren Konzept, der „Seele" des Streichquartetts Ausdruck zu verleihen. Für mich bedeutet das Streichquartett als musikalische Form eine Anzahl Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen. Zahlenmystik, Mythen, Tradition, Klanggestalt usw. bringen spezifische und essentielle Bedeutungen in die gesamte Wahrnehmung der Musik. Die Vierteilung der Strukturen ist das durchgehende Hauptprinzip dieser Komposition. Es gibt vier Ebenen des Klangcharakters (vier „Identitäten"). Im Verein mit diesen entwickeln sich vier „Temperamente" in der Komposition. Man kann sich diese Identitäten und Temperamente als „Sätze" des Werkes vorstellen, die gleichzeitig und nicht nacheinander ablaufen. Das Werk hat eine starke rhythmische Präsenz und läuft im Viervierteltakt ab.

Die vier Klangidentitäten sind:

  1. Harmonie

  2. Verschiedene Typen von „Reibeklängen"

  3. „Normale" Streicherklänge (arco, tremolo, pizzicato usw.) und einige sehr kurze Fragmente aus späten Webern-Quartetten

  4. Sehr kurze Impulse als Ausschnitte aus verschiedenen Streicherklängen. Diese wurden teils so verwendet, wie sie waren, teils in verschiedenen Raumsimulationen als Aggregat eingesetzt, wobei der Frequenzgehalt jedes Impulses praktisch „eingefroren" wurde.

Die vier Temperamente stellen dar:
  1. Stille, Ordnung, Balance, Ausgewogenheit

  2. Aggression, Dynamik

  3. Phantasie, Gemeinsamkeit, Bewegung

  4. Distanz, Transzendenz, Auflösung

Die verschiedenen Identitäten und Temperamente sind nicht notwendigerweise miteinander verbunden, aber natürlich beeinflussen sie einander auf verschiedene Art. Manchmal spielen sie alle zusammen, dann wiederum werden sie still, während andere die Initiative übernehmen — wie die verschiedenen Teile eines „richtigen" Quartetts.
In „Stringquartett" habe ich den Computer im wesentlichen auf zwei Arten eingesetzt:
  1. Zur Kontrolle der Klangereignisse (Aufnahme und Bearbeitung von Streicherklängen) über die Zeit. Dies wurde mit traditioneller Sequencing-Software zusammen mit kleineren algorithmischen Funktionen erreicht. Der Klang wurde auf drei Akai S-900 Samplern reproduziert, und die Mischung und Real-Time-Bearbeitung erfolgen auf einer midi-gesteuerten Soundtrack-Konsole und einem LXP-70 DSP.

  2. Klangbearbeitung und Schnitt. Das aufgenommene Urmatenal wurde entweder belassen, wie es war, oder reorganisiert (kopiert und geschnitten), bearbeitet (gefiltert, FFT und Neusynthese, Spektralverschiebung, Spektralverzerrung usw.) und neu gesampelt.