Ars Electronica
 
 
 

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Prix1992
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


ANERKENNUNG
A Memory Project
Henry W. See


,A Memory Project' (,Ein Erinnerungsprojekt') entstand als Versuch, eine Datenbank zu konstruieren, die auch vergessen kann. Ich habe zuerst versucht, menschliches Vergessen zu imitieren, indem ich verschiedene Regeln des Vergessens erarbeitet und diese dann in Algorithmen umgewandelt habe, die sich ihrerseits in Computer-Codes verwandeln lassen. Als ich damit begann, wurde mir bewußt, daß ich mich auf die Straße der Künstlichen Intelligenz begeben hatte. Da mir klar war, daß ich nicht über jene Ressourcen verfügte, wie sie an den großen Forschungsinstituten für Künstliche Intelligenz und an den Universitäten vorhanden sind, nahm das Projekt eine andere Wendung. Es wurde zu einer Untersuchung der Vergeßlichkeit und Erinnerung, und ein Blick auf die Art und Weise, in der sich das Menschliche und das Digitale gegenseitig beeinflussen: Was geschieht, wenn Menschen zu Modellen für den Computer werden, und später, wenn der Computer zum Vorbild für den Menschen wird?
Teil eins untersucht die Erinnerung, Teil zwei das Vergessen. In dem Maße, in dem sich ein Benutzer oder eine Benutzerin durch ,A Memory Project' arbeitet, werden immer mehr Untersuchungsgebiete sichtbar, gerade so, als würde man eine Zwiebel schälen.

Der Prozeß kehrt sich im zweiten Teil um, das System beginnt zu ,vergessen', wo der Benutzer gewesen ist, was er oder sie gesehen hat. Das Stück endet mit einem leeren Bildschirm und der Stimme des Führers, der erklärt, er habe keine Ahnung, was gerade geschehe. Dieser Führer ist ,Bob', eine Trickfigur, die zum Benutzer spricht, Anleitungen gibt (manchmal hilfreich, manchmal nicht), neue sehenswerte Orte vorschlägt, und während der gesamten Besuchsdauer nebenbei Kommentare abgibt. Das, woran man sich nicht erinnert, ist genauso wichtig wie das, woran man sich erinnert. Was nicht gezeigt wird, ist ebenso bedeutsam wie das Gezeigte. Das Unausgesprochene ist genauso wichtig wie das Gesprochene. Der leere Raum reflektiert sein Potential. Die Interaktion hegt im leeren Raum. (Henry W. See)