Ars Electronica
 
 
 

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Prix2005
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
Ars Electronica Linz & ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Kesto
Pan Sonic


Es gibt keine Theorie zu Pan Sonic. Wir haben keinen Plan, wir machen nur die Musik. (Mika Vainio)

Die epische Struktur der vier CDs von Kesto lehnt sich an die Verwendung des Triptychons bei Franics Bacon an, einem Künstler des 20. Jahrhunderts. Die vier vollen Stunden Musik funktionieren als unterschiedliche Ansichten derselben musikalischen Ideen, die bereits im Titel angedeutet sind, der als „Stärke“ und „Dauer“ übersetzt werden kann. Die Stärke tritt als kreischende Decke von kontrolliertem bearbeitetem Geräusch auf, das auf verschiedene Art über und in jeden Track rollt und sticht, um unterschiedliche Effekte zu erzielen. Die Dauer hingegen tritt nicht nur in der reinen Länge des Werks auf, sondern auch in den langgezogenen, langsamen, dahintrottenden elektrischen Tönen, die sich um sich selbst ringeln und so vielen dieser Tracks zugrunde liegen.

Wer Pan Sonics Arbeiten kennt, kann eine Entsprechung zwischen ihrer Verwendung von Klang und Bacons Einsatz von Farbe erkennen; die Aufnahmen in Kesto stellen eine substanzielle neue Tiefe und Vitalität in der Qualität ihrer Klangpalette dar, die eine neu entdeckte Lebenskraft und subtile Gewalt in ihre Musik einführt. Eine bedrohliche Stimmung schwebt über dem Dahinschlagen von schleifenden Geräuschen und gesättigten Trommeln. In dem Maße, in dem sich düstere Wolken sammeln und die Spannung ansteigt, bis sie kaum mehr erträglich wird, schaffen sie Spannung aus der Stille, Chaos aus dem Vakuum. Die harschen Klanglandschaften mögen durch etwas ruhigere ersetzt worden sein, die Ungemütlichkeit aber ist fühlbarer denn je.

Als individuelle Werke gesehen, stellen sich die ersten drei CDs als Triptychon dar, in dem die gleichen Kernklänge aufgezäumt, aber in grundlegend unterschiedlicher Weise interpretiert werden. So hört man auf den ersten beiden Scheiben verschiedene Kombinationen von vorandrängenden, schlagenden Beats, ohrenbetäubendes Geheul, leise murmelnde dahingleitende Töne, zerbröselnden Lärm und eine ganze Menge von zufälligen Snaps, Whirls und Chops samt einem gelegentlichen Crash. Die beiden letzten Platten hingegen nehmen viel von dem pulsierenden Rhythmus heraus und ersetzen ihn mit hektargroßen Flächen von langsam wachsenden Tönen, die sich immer weiter aufbauen, bis sie zu einer Art hypnotischer Melodie werden (die knistert und murmelt und brüllt wie Darmbewegungen nach Crackgenuss).

Pan Sonic sind ihrer originellen und grundlegenden Verwendung der eigens für sie von Hand gebauten analogen Tongeneratoren treu geblieben, die eher an altmodische Radiogeräte erinnern als an Synthesizer; dazu kommt noch gelegentlich der Einsatz digitaler Sampler für die etwas rhythmischeren Klänge. Und es geht ihnen vorwiegend um Klänge, die vom Körper gefühlt werden, und um den Effekt verschiedener Frequenzen auf das Gehirn.