Ars Electronica
 
 
 

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Prix2005
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
Ars Electronica Linz & ORF Oberösterreich
 


ANERKENNUNG
Waco Resurrection
Mark Allen, Peter Brinson , Brody Condon , Jessica Hutchins , Eddo Stern , Michael Wilson


Wie von den Anhängern seiner Davidianischen Sekte vorhergesagt wurde, ist Vernon Howell (besser bekannt als David Koresh) zum letzten Gefecht am Berg Carmel zurückgekehrt. In einer Rekonstruktion des Vorfalls von Waco, Texas, des Jahres 1993 treten die Spieler mit Hilfe eines eigenen Headgears – einer durch die Stimme gesteuerten dreidimensionale Hartplastikschale – in den Geist und die Form eines wiederauferstandenen David Koresh ein. Jeder Mitspieler betritt das Netzwerk als ein Koresh und muss das Davidianische Areal gegen interne Intrigen, skeptische Zivilisten, rivalisierende Koreshe und das unaufhaltsame Vordringen von Regierungsbeamten verteidigen. Hineingezwängt in die jeweilige „Koresh-Haut“, werden die Spieler von einem Soundstream von Regierungspsychologen, FBI-Verhandlern, der Stimme Gottes und dem ständigen Lärm der Schlacht bombardiert. Die Mitspieler verkünden messianische Texte aus der Offenbarung, bedienen eine Vielzahl von Waffen aus einem Versteck am Berg Carmel und beeinflussen das Verhalten von Anhängern wie Gegnern durch die Ausstrahlung einer charismatischen Aura.

Waco Resurrection untersucht das Aufeinanderprallen von Weltanschauungen im historischen Konflikt von 1993, indem es Mitspieler einlädt, die Rolle eines wiederauferstandenen „Kult“-Führers zu übernehmen, der einen religiösen Krieg gegen die ihrerseits auf einem Kreuzzug befindliche Regierung führt. Während die Stimmen der fernen Entscheidungsträger resolut und entschlossen klingen, erscheinen die Kämpfer, die das Gelände tatsächlich angreifen, eher im Zwiespalt und etwas naiv in ihren Rollen. Das Spiel erinnert an den zehnten Jahrestag der Belagerung in jenem einzigartigen kulturellen Moment, in dem der „Heilige Krieg“ Teil der offiziellen Regierungspolitik geworden ist. Im Jahr 2003 ist der Geist von Koresh zu einer paradoxen Verkörperung der gegenwärtigen politischen Landschaft geworden – er ist gleichzeitig der belagerte religiöse „Andere“ und die logische Erweiterung der konservativen Vision des dritten Jahrtausends. Waco ist die szenische Verkörperung einer amerikanischen Furcht: Der apokalyptische Visionär (eine bis zu Jonathan Edwards zurückreichende amerikanische Tradition) steht dem heidnischen Anderen gegenüber – und in Waco Resurrection sind die Rollen keineswegs festgelegt.