Ars Electronica
 
 
 

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Prix2005
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
Ars Electronica Linz & ORF Oberösterreich
 


ANERKENNUNG
CyberSpaceLand
Amy Alexander


CyberSpaceLand ist eine ganz und gar unkorrekte Netz/Text-VJ Show mit VJ Übergeek, einer nerdigen VJane, die dem endlosen Arbeitstag einige Bits an täglichem Leben abzuringen versucht. Das technische Konzept ist watscheneinfach: Aus Internettext, der einer Suchmaschine entnommen wird, entstehen farbenfrohe, witzige bewegte Clubvisuals. Aber es steckt mehr dahinter. Was den Text betrifft, geht es nicht um Kunsterzeugung mit einer Suchmaschine, sondern um ganz bestimmte Fragen, aus denen sich im Verlauf der Show eine Art lose, verquere Erzählung ergibt. Die Suchanfragen werden meist in der ersten oder zweiten Person gestellt, z. B. „Ich hatte Probleme mit Prozac“. Stellt man eine solche Frage, erhält man ganz andere Antworten als die üblichen „Ergebnisse 1-10 für Prozac“. Man erhält persönlichere Ergebnisse und bekommt Dinge zu Gesicht, die Google & Co. normalerweise nicht ausspucken.

Im Zentrum des Onscreen-Texts stehen nicht nur die Ergebnisse, sondern auch Übergeeks sporadisch eingetippte Fragen und die durch sie entstehende lose Erzählung. Einige der Fragen sind ganz konkret, einige eher allgemein, wie z. B. „Das habe ich noch nie geraucht“.

Doch die Onscreen-Visuals sind nur ein Teil der Cyber-SpaceLand-Textperience … Computer werden im Privatleben und in der Freizeit üblicherweise nicht anders benutzt als am Arbeitsplatz: Man setzt sich hin und tippt am Schreibtisch. Die Performer bei einem Laptop-Technokonzert könnten in Wirklichkeit E-Mails beantworten oder an einer Datenbank arbeiten – alles, was man sieht, ist einer, der dasitzt und tippt. Das scheint nicht oft infrage gestellt zu werden, vielleicht weil wir heute so viel arbeiten, dass wir – wie Charlie Chaplin in Modern Times – vergessen, damit aufzuhören, wenn wir das Büro verlassen. Die Trennung in unserem Leben ist verschwunden. VJ Übergeek in CyberSpaceLand ist zwar etwas nerdig, bezieht aber ihre Inspiration von voll aufgeigenden Gitarristen. Sie tritt im Stehen auf, bearbeitet mit Händen und Füßen ihr um den Bauch geschnalltes Keyboard und steuert die Visuals mit einer um den Hals hängenden Fernbedienung, einem Joystick bzw. Gamepad sowie durch Tanzen auf einem Dancepad alias FIFOSY (Foot-Operated Software You-Know). Kurzum, sie hüpft viel auf (und manchmal auch neben) der Bühne rum.

Die CyberSpaceLand Live-Show ist in erster Linie ein Performance-Projekt, das in Clubs und auf Kunstfestivals in Nordamerika und Europa gezeigt wurde. Die CyberSpaceLand-Software – CyberSpaceLand Home Edition – kann auf der Website cyberspaceland.org heruntergeladen werden. Als weitere Reflexion auf die Koppelung von Arbeit und Spiel bei Computeranwendungen enthält die Home Edition auch einen Music Visualizer. Neben der ursprünglichen Web-Search-Version gibt es auch einen psychedelischen E-Mail-Client namens CyberPOP, mit dem man seine Desktop-Utilities weiter zweckentfremden kann.