Ars Electronica
 
 
 

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Prix2005
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
Ars Electronica Linz & ORF Oberösterreich
 


ANERKENNUNG
GWEI – Google Will Eat Itself
Hans Bernhard, Alessandro Ludovico


Wir erzeugen Geld, indem wir auf unserer Website GWEI.org Google-Textanzeigen aufrufen. Von diesem Geld kaufen wir über unser Schweizer E-Banking-Konto automatisch Google-Aktien. Wir kaufen Google über seine eigenen Anzeigen! Google frisst sich selbst – aber am Ende werden wir die Besitzer sein!

Mit dieser Einrichtung dekonstruieren wir die neuen globalen Werbemechanismen, indem wir sie in ein surreales, auf Klicks reduziertes Wirtschaftsmodell transformieren. Wir injizieren einen sozialen Virus („let’s share their shares“) in ihren unter einer höflichen und freundlichen grafischen Oberfläche verborgenen kommerziellen Körper. Dann übergeben wir Google als Gemeinschaftseigentum an die GTTP-, d. h. Google-To-The-People-Community.

Um ein wenig ins Detail zu gehen: Eine der wichtigsten Einkommensquellen von Google ist das „AdSense“-Programm. Es platziert Hunderttausende kleiner Google-Textanzeigen auf Websites rund um die Welt. So einen AdSense-Account haben wir auch für unsere GWEI.org-Website eingerichtet. Immer wenn jemand auf eine unserer Google-Anzeigen klickt, erhalten wir einen winzigen Betrag und Google behält denselben Betrag plus einer gewissen Provision für seine Dienste – so machen sie ihren Riesenprofit. Immer wenn wir genug Geld beisammen haben, kaufen wir die nächste Google-Aktie (NASDAQ: GOOG, gegenwärtiger Handelswert 150-250 USD). Das ist die wahre „New Economy“ – man erhält Aktien einfach nur fürs Klicken!

Wie erzeugen wir also den Traffic und die Klicks? Wir operieren dazu sowohl auf einer technischen als auch einer sozialen Ebene:

1. Mit einem ausgefuchsten, technisch avancierten Browser-Server-Tool (flash/php) sorgen wir für einen ständigen Strom von Klicks. Wir beschränken die Software auf eine limitierte Anzahl von Seitenaufrufen (~2500) und Klicks (~200) pro Tag. Auf diesem Niveau gibt es keinen Unterschied zwischen menschlichen und maschinengenerierten Klicks – wir sind keine Script-Kiddies, sondern Künstlerbastarde.

2. Zusätzlich benutzen wir unsere GTTP-Community, um die Website zu verbreiten und Seitenaufrufe und Klicks zu generieren. Mit gemäßigtem Social Engineering können wir über unsere Netzwerke neural.it und UBERMORGEN. COM unauffällige Klickwellen auslösen.

GWEI.org/gwei/ ist die Website, die ein totales Informationsmonopol (Google Suchmaschine & Zusatzdienste), eine Schwäche des neuen globalen Werbesystems und die Renaissance der „New Economy Blase“ aufdeckt – „Realität“ ist, dass Google derzeit höher bewertet wird als alle Schweizer Banken zusammen (sic). Lasst uns diese Goldmine den Menschen öffnen, solange wir noch dazu in der Lage sind.

Paolo Cirio: coder, Flash & php application; Jason Hobbs: information architect, information structure & diagramatic analyses; Michael McGarry: designer, visualisation; Marcus Neustetter: The Trinity Session, artist & curator, transformation processes; Stephen Hobbs: The Trinity Session, artist & curator, transformation processes; lizvlx: branding, Perl