Ars Electronica
 
 
 

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Prix2005
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
Ars Electronica Linz & ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Free Software Foundation
Richard Stallman


Die Free Software Foundation organisiert die Free Software Community weltweit. Die Millionen Beiträger und Nutzer in dieser Community vertreten äußerst unterschiedliche Meinungen und Ansätze. Wir konzentrieren uns dabei auf die philosophische und politische Arbeit, die getan werden muss, um zu gewährleisten, dass Software frei benutzt, analysiert, kopiert, modifiziert und weiterverbreitet werden kann. Dazu gehören Fragen der Software-Patentierung, des Urheberrechtsschutzes undder Gesetzgebung. Daneben betreiben wir – und bieten Support für – das GNU-Projekt, eine Gemeinschaft von Entwicklern, die das freie GNU-Betriebssystem schreiben und warten.

Unser vorrangiges Ziel ist Software-Freiheit für jedermann. Die FSF propagiert und fördert das Recht von Computernutzern zur Nutzung, zum Kopieren, Analysieren, Modifizieren und Weiterverbreiten von Computerprogrammen. Wir fördern die Entwicklung und Verwendung von freier Software, insbesondere des heute in der GNU/Linux-Variante weit verbreiteten GNU-Betriebssystems, und freier Dokumentation. Die Websites und Mailing-Listen von FSF und GNU sind Anlaufstellen zur Koordination aller diesbezüglicher Anstrengungen. Sie alle steigern unsere Fähigkeit, Wissen miteinander zu teilen und um dieses Wissen herum Communities zu bilden.

Die FSF selbst hat ihren Sitz in den US, aber die von uns organisierte Freie-Software-Bewegung ist wirklich international zu nennen. Etwa 30 Prozent der unterstützenden Mitglieder leben außerhalb der Vereinigten Staaten. Die Entwicklung freier Software ist heute ein globales Unterfangen; die von uns empfohlene Version von GNU/Linux wird in Argentinien entwickelt. Auch die Verwendung freier Software ist heute global; GNU/Linux wird ebenso auf Cluster-Supercomputern wie auf billigen Massencomputern verwendet, mit ihm wird ein Großteil des Internet betrieben, es wird in der Spitzenforschung, beim Weltsozialforum und bei großen Brokerfirmen benutzt, aber auch in den Telecentern von São Paulo, die arme Viertel mit Computerzugängen versorgen. In Teilen Spaniens und Indiens ist es für die staatlichen Schulen übernommen worden.

FSF-Gründer Richard Stallman war während seiner Arbeit am MIT ein Mitglied der Kooperationsgemeinschaft der 70er Jahre. Als diese unter dem Kommerzialisierungsdruck zusammenbrach, beschloss er, eine neue Kooperationsgemeinschaft zu gründen. Aber die proprietäre Software, die in den 80er Jahren zur Norm geworden war, machte Kooperationen illegal oder unmöglich. Die Software verbatim weiterzuverbreiten ist nämlich illegal; sie ohne eine Kopie des Quellcodes zu verbessern unmöglich. Voraussetzung für die Bildung einer Community war also die Ersetzung der proprietären Software durch „freie Software“ – Software, die der Benutzer verändern und weitergeben (aber auch benutzen) kann. Und so machte sich Stallman an die Entwicklung eines freien Betriebssystems namens GNU. Die meisten Betriebssysteme werden aus technischen oder kommerziellen Gründen entwickelt; GNU ist das einzige Betriebssystem, das speziell dazu entwickelt wurde, Computernutzern die Freiheit zu geben, miteinander zu kooperieren.

Die Entwicklung von GNU begann im Jänner 1984. Im Oktober 1985 wurde die FSF gegründet, um Mittel für die Entwicklung von GNU aufzutreiben und für die Freiheit der Benutzer zum Austausch und zur Veränderung von Software einzutreten. Im Lauf der Jahre haben sich Tausende Entwickler auf mehreren Erdteilen an der Entwicklung von GNU beteiligt. Im Zusammenhang damit wurde auch das „Copyleft“-Konzept entwickelt, eine Möglichkeit, das Urheberrecht zur Verteidigung der Freiheit statt zu deren Enteignung nutzbar zu machen. Umgesetzt wurde es mit der GNU General Public License (GNU GPL), deren erste Version im Jänner 1989 veröffentlicht wurde.

1992 wurde der Linux-Kernel unter der GNU-Lizenz freigegeben. Da GNU damals nur ein Kernel fehlte, ergaben GNU und Linux gemeinsam ein komplettes Betriebssystem, das heute mehrere 10 Millionen Benutzer hat. Das war ein frühes Beispiel einer neuen Form des Wachstums; inspiriert von der von uns gebildeten Community, entwickelten auch andere Projekte Software, die sie als freie Software verbreiteten.