Ars Electronica
 
 
 

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Prix1989
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Ohne Titel
Simon Wachsmuth


In der Computeranimation "Ohne Titel" von Simon Wachsmuth erzeugen Lichter durch Rotation auf rechteckigen Teilbildern verschiedene Strukturen. Die Kombination von Musik und Bild gleicht einer meditativen Darbietung.

Wählt man den Computer oder allgemein ein elektronisches Medium als Ausdrucksmittel, so setzt dies die Bereitschaft voraus, sich auf eine visuell (was die Erkennbarkeit betrifft) sehr "konkrete", begrifflich jedoch sehr vage Ästhetik einzulassen. Genauso vage sind die Begriffe, was die Bezeichnung des Künstlers betrifft (soweit man als Künstler selbst eine Bezeichnung braucht). Denn weiß man, daß schon in näherer Zukunft alle Signale, Bild und Ton, Sprache und Text zu einem einzigen Signal in einem alles vereinigenden digitalen Medium verlaufen werden, so fällt es einem schwer, sich den Begriffen "Computerkünst(ler)" oder "Videokünst(ler)" unterzuordnen. Mit diesem Wissen muß man diese Vielfalt als Sprache ansehen und versuchen, eine entsprechende Grammatik zu erarbeiten. Eine Grammatik, bestehend aus Modulation, Transformation, Synchronisation, Verzögerung, Speicherung etc. (F. Kittler), also jenen Möglichkeiten und Zwängen, die der "Digitalisierung der Wirklichkeit" entspringen, jedoch nicht nur auf das Medium Computer beschränkt sind. Gehen wir einige Schritte in der Zeit zurück, so finden wir diese von neuem aktuelle Einstellung schon bei Man Ray, der meinte, er bediene sich stets des geeignetsten Mittels, um seine Idee auszudrücken, eines Mittels, das immer auch das ökonomischste ist. Also weg vom pixelhörigen überholten Purismus einiger Kunsttechniker zu einer Kunst der digitalen Vielfalt.

Diese Vielfalt soll verstärkt werden durch das Bewußtsein, daß Computer wie Programme keine Maschinen sind, die eine festgelegte Funktion haben.

Dieser Punkt wäre der Ansatz, Computer nicht nur als Bilderzeuger, sondern auch als Steuerungssysteme innerhalb der Kunstproduktion zu betrachten. So sind z. B. jene Arbeiten interessant, die zwar nur mit Hilfe des Computers gemacht werden können, jedoch von der Ästhetik her nicht die sofortige Klassifikation in Computer- oder digitale Kunst erlauben, weil dieses Element vordergründig nicht sofort sichtbar ist. Dies wäre ein weiterer Schritt in die Richtung, in der Idee und künstlerische Intention nicht durch Technik überladen, sondem unterstützt werden.

Was mich betrifft, so wollte ich für einen Moment weg vom Gedanken des Recyclings, der Verwendung von vorgefundenem Material, ohne die Wichtigkeit jenes Verfahrens zu negieren. Es ist vielleicht ein Wunsch, sich für einen Moment davon zu trennen, sei es nur, um die visuelle Autonomie des Selbstgeschaffenen zu kosten. Es wird wahrscheinlich auch nur einen Augenblick dauern, denn der "energetische Charme der Simulation" (P. Weibel) holt auch diese formalisierte Autonomie wieder ein.