Ars Electronica
 
 
 

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Prix1990
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Star Life
Philippe Andrevon


Im Film "Star Life" von Philippe Andrevon treffen einander Filmstars, die nie miteinander auf der Leinwand standen, am Strand, im Bus, im Supermarkt oder an der Bar.

Mein Hauptinteresse an den neuen Technologien bezieht sich nicht so sehr auf diese selbst (obwohl ich nicht leugnen kann, daß es mir Spaß macht, mit dieser Art Equipment zu arbeiten), sondern im wesentlichen auf das weite Feld, das sie in der Darstellung eröffnen.

Wenn ich von neuen Technologien spreche, meine ich damit nicht nur Computer: lch bin - vom ,"plastischen" Standpunkt aus - ein Verfechter von "Composite Images", also einer Mischung realer und virtueller Quellen. Diese Position ist das Ergebnis meines Wunsches nach der Erforschung einer audiovisuellen Sprache, in der es allein bei den neuen Bildern noch so viel zu tun gäbe (eine Sprache, die ganz leicht bei den Musik-Videos gestreift wird, in denen alles erlaubt ist, aber sehr selten in etwas mehr strukturierten Produktionen). Da muß übrigens noch ein wichtiger Punkt präzisiert werden: Technische Leistung und billige Effekte interessieren mich überhaupt nicht, nicht einmal als Vorwand. Die wichtige Rolle jedenfalls, die die technologischen Bilder heute einnehmen, und die noch größere Rolle, die sie spielen werden, unterstreichen meinen Standpunkt und mein Verlangen, in dieser Richtung weiterzumachen.

Was nun die Gegenstände oder Konzepte meiner Produkte betrifft, so habe ich keine speziellen Vorlieben, aber es muß viele Ebenen der Interpretation geben, und die erste muß Unterhaltung sein. Ich arbeite auch mit der Perspektive der Fernsehausstrahlung, versuche also, offene" und intelligente Videos zu machen, aber natürlich auch kommerziell profitorientierte. Profitorientiert bedeutet bei diesen relativ teuren Produktionen natürlich "international", im Bild ebenso wie im Konzept. Diese praktischen Gründe sorgen dafür, daß ich nur an kurzen Programmen arbeite, aber ich würde wirklich gern ganz lange Werke realisieren (50 Minuten) - mit "Composite Images" ...

"Star Life" war für mich in erster Linie ein Spiel. Ein Spiel, bei dem ich mit "mythischen" Referenzen (den Filmstars) und Situationen des alltäglichen Lebens herumwerken konnte, wo ich sie alle zusammenmixte, um einige unmögliche Aus- und Querschnitte aus dem Leben unserer bekannten Filmstars zu produzieren. Aber auch für die (filmbegeisterten) Zuseher ist es ein Spiel geworden: Es geht darum, in Sekundenbruchteilen jeden einzelnen Star zu erkennen und womöglich auch den Film, aus dem die Szene stammt (versuchen Sie's bloß mal!). Wie auch immer: "Star Life" ist im wesentlichen eine Hommage an die ganz großen Fllmschauspieler und durch sie ans Kino.

Eine gefälschte Kritik von "Star Life"

Haben Sie schon einmal davon geträumt, einen Film mit Gerard Philippe und Alain Delon zu besetzen, mit Marilyn Monroe und Brigitte Bardot, James Dean und Sean Connery, Ava Gardner und Greta Garbo und und ... mit dreißig oder vierzig der allergrößten Filmstars?

Unsinn, sagen Sie?
Keineswegs: Diesen Film gibt es. Einen Film? Was würden Sie sagen, wenn Sie erführen, daß es in Wirklichkeit fünf Filme gibt, jeweils nur eine Minute lang, aber alle mit demselben Titel: "Star Life"?

Also, wo ist der Haken?
Natürlich, das ist nur eine Computeranimation, in der auch bloß einige Frames von Marilyn, James, Ava und all den anderen gemischt und geschnitten wurden, um diese fünf fröhlichen, humorvollen Momentskizzen voller Erfindungskraft zu schaffen. Ein überfüllter Bus, ein Strand, eine Bar, ein Nachtklub, ein Supermarkt und massenhaft ... Action!

"Star Life" könnte die Gelegenheit zu einem eher schwierigen Spielchen sein, bei dem wir in einer Sekunde herausfinden müßten, aus welchem Meisterwerk des Kinos die so wohlbekannte Silhouette stammt. Wie auch immer, auch mehrmalige Betrachtung dieser Sequenzen löschen nichts vom Charme dieses Tributs, bei dem Erinnerung sich nicht in Nostalgie verwandelt und der mit 25 (synthetischen) Frames pro Sekunde läuft.

Technischer Hintergrund

HW: Getris, Atalis
SW: G. Paint, G. Anim