Ars Electronica
 
 
 

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Prix1991
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Eggy
Yoichiro Kawaguchi


Beinah psychodelische Bilder entstehen, wenn man künstliche Intelligenz als Basis für Formentwicklunsprinzipien heranzieht. Yoichiro Kawaguchi entwickelt organische Formen für HDTV.

Obwohl ich schon viele Jahre im Bereich Computergraphik und Animation arbeite, bedeutet ein Werk zu vollenden eben auch, daß ich eine Plattform für die Präsentation finden muß. Ich habe mich immer bemüht, schlechten Angewohnheiten aus dem Wege zu gehen und zumindest drei Werke im Jahre fertigzustellen, indem ich die Kapazität des Computers erweitert habe, aber ich fürchte, ich kann dem Traum, für HDTV zu arbeiten, einfach nicht entkommen.

Bei HDTV kann man alle neuen Medien für die Implementierung von organischen Formen und für die formgebenden Prinzipien einsetzen. Seien es nun Schildkröten, Vögel oder Fische, bei allen hängt die Außenfarbe von der Farbgestaltung ihrer Umwelt ab. Dies kann ich durch Techniken der Künstlichen Intelligenz simulieren, indem ich die Farb- und Strukturveränderungen auf der Zeitachse implementiere. Die Untersuchung der Entwicklung tierischer Morphologie aus Ansätzen der Künstlichen Intelligenz hat mich zum Universum des Lebens geführt.

Seit ich auf diesem Gebiet arbeite, entscheide ich nie über die Formen und ihre Entwicklung, sondern ich verwende Formentwicklungsprinzipien, um die Formen sich selbst entwickeln zu lassen. Ich denke, dieser Ansatz ist auch für die Entwicklung eines Theorems der Zweideutigkeit recht nützlich. Auch wenn ich keine klare Vorstellung von den Details der Formentwicklung habe, kann ich bisher nie gesehene Formen einfach dadurch herstellen, daß ich eine Produktionsbedingung für den Formaufbau definiere. Ich habe diese Methode erstmals 1975/76 ausprobiert und daraus ein "Wachstumsmodell" entwickelt, indem ich die allgemeinen Wachstumsphänomene von Zweigen in eine computerlesbare Formel übersetzt habe. Ich interessiere mich für lebende organische Formen, für Lebewesen. Je mehr meine Arbeit voranschreitet, umso mehr versuche ich, tiefer und tiefer in die Prinzipien der Formentwicklung einzudringen - in die Morphogenese.

Als ich letztes Jahr bei einer Computerkunst-Konferenz in Sao Paulo war, machte ich auch eine Bootsfahrt den Amazonas hinauf. Es war unglaublich - die Riesenschlangen, die Alligatoren. In Australien habe ich riesige Echsen gesehen, die perfekt ihrer Umwelt angepaßt waren. Ich habe den Grand Canyon gesehen - umwerfend. Es gibt in Tokyo nichts annähernd Vergleichbares. Und aus diesen Erfahrungen begann ich über mögliche Formen nachzudenken, und ich habe mich gefragt: Wie wäre es, den Grand Canyon und eine Seegurke zu kombinieren?