Ars Electronica
 
 
 

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Prix1994
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


GOLDENE NICA
Jurassic Park
Mark Dippé, Dennis Muren , Steve Williams


"Jurassic Park" von ILM stellt einen Höhepunkt in der Computeranimation dar. Nicht nur die Bewegungsabläufe der Dinosaurier, sondern auch deren 'Persönlichkeit' ließen das Publikum glauben, daß die Dinosaurier nicht computergeneriert sind.

Die computeranimierten Dinosaurier in "Jurassic Park" sind der Gipfel einer Entwicklung aus Experiment und Fortschritt, die begonnen hatte, als George Lucas vor 14 Jahren die Abteilung Computergraphik bei Industrial Light & Magic gründete. Nun ist diese Abteilung das maßgebliche Werkzeug kreativen Schaffens innerhalb der Gesellschaft.

Die mit "Jurassic Park" geleistete Arbeit ist aber mehr: Sie ist ein Quantensprung nach vorne, der die Art und Weise, Filme zu machen, für immer verändern wird. Spielberg trat schon früh im Verlauf dieser Arbeit an ILM heran, nachdem er schon bei einer ganzen Reihe seiner früheren Filme mit dieser Effekteschmiede zusammengearbeitet hatte. Und Dennis Muren, der siebenfache Oscar-Preisträger und Effects Supervisor von ILM wollte unbedingt an "Jurassic Park" mitarbeiten. Weil aber Spielberg ursprünglich vorhatte, mit vollmechanischen Dinosaurier-Modellen in Originalgröße zu arbeiten, war sich Dennis über die Rolle, die ILM innerhalb dieses Projekts spielen sollte, nicht ganz klar.

Er ließ das Computergraphik-Team von ILM mit einem Vorschlag für "Jurassic Park" zu experimentieren beginnen - und zwar wurden Dinosaurierknochen und -skelette im Computer zusammengebaut. Daraus wurden dann eine Herde von Gallimimus-Dinosauriern und ein aufrecht gehender Tyrannosaurus Rex. Beeindruckt von ILM's Testergebnissen, gab Amblin Entertainment bald grünes Licht für weitere Testaufnahmen, darunter eine Stampede und eine ganze Reihe von Weitwinkelaufnahmen mit einer Herde von Sauriern in einer weitläufigen Landschaft.

Als Muren das nächste Mal zu Amblin kam, verblüffte er die Filmemacher mit einer computergenerierten Sequenz, in der ein T-Rex bei Tageslicht umherspaziert. Es schien, als würde der herkömmliche Trickfilm mit vollbeweglichen Modellen angesichts des Aufstiegs computergenerierter Filme auch bald aussterben. Ein Team von über 100 Technikern und Künstlern brachte in den folgenden 18 Monaten die Computergraphik auf Höchstform und steuerte letztendlich mehr als 50 Dinosaurierszenen zum Film bei.

Eine der heikelsten Aufgaben, mit der sich die Techniker dabei konfrontiert sahen, war sicherzustellen, daß sich die Dinosaurier natürlich bewegten. Man wollte erreichen, daß sie als echte Tiere über die Leinwand kamen und nicht als Filmmonster im herkömmlichen Sinn. Die Dinosaurier waren nicht bloß computergenerierte Bestien. Sie alle waren echte Persönlichkeiten mit Herz, Seele und charakteristischen, individuellen Verhaltensweisen. Um das zustandezubringen, studierte das ILM-Team unter der Leitung des Saurier-Supervisors Phil Tippett tierische Verhaltensweisen, u. a. Bewegungen und Körpersprache von Elefanten, Alligatoren, Straußen und Löwen. Die Animatoren erhielten ein spezielles Training und Unterricht in Bewegungslehre, damit ihre Animationen diese Verhaltensnuancen einfangen konnten. Darüber hinaus besorgte Phil Tippetts Betrieb in Berkeley die Animationen für mehr als ein Dutzend der "Jurassic"-Einstellungen.

"Die Leute werden niemals glauben, daß diese Dinosaurier in einem Computer entstanden sind", erklärte Muren. "Schauen Sie sich an, wie bei den größeren Tieren die Bäuche unter ihrem eigenen Gewicht hin- und herschwingen. Wenn sie laufen, dann wird mit jedem Schritt ihr ganzer Körper erschüttert. Achten Sie auf die Kleinigkeiten, darauf, wie der Velociraptor seinen Körper anspannt, wenn er aufgeschreckt wird. Er schaut richtig aufgeweckt und intelligent."

Und schließlich meint Dennis Muren: Die Arbeit an "Jurassic Park" war für mich die spannendste und herausforderndste in meinen ganzen Jahren als Visual Effects Supervisor. Die Ergebnisse, die wir damit erzielt haben, haben meine wildesten Spekulationen übertroffen. Es war ungeheuer befriedigend, mit Computern zu arbeiten und damit Wesen zu schaffen, die genauso aussehen, sich genauso bewegen und genauso verhalten wie richtige Dinosaurier. Der schlagendste Beweis für unseren Erfolg aber ist, daß die Zuschauer diese Wesen nicht für computergeneriert halten.

Technischer Hintergrund
HW: SGI Image
SW: Alias, Softimage, Parallax, Pixar (RenderMan)