Ars Electronica
 
 
 

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Prix1989
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Devil's Moon Night
Kenneth Snelson


In "Devil's Moon Night" von Kenneth Snelson zeigen die Skulpturen, die in einer imaginären Landschaft thronen, eine neue Art von "Landschaftsmalerei". Dieser neue Gestalltungsraum wurde durch computergenerierte Bilder eröffnet.

In der Skulptur wie in der Computergraphik interessieren mich die Natur der Strukturen und die Myriaden von Methoden zur Verbindung getrennter Teile zu einem komplexen Ganzen. Im Bild "Devils' Moon Night" werden viele Ansichten von "Forest Devil" (einer tatsächlich existierenden Skulptur) in einem fiktiven, aber glaubhaften Environment gezeigt. Diese Skulpturen mit ihren gespannten Drähten und massiven glänzenden Röhren sind Ballerinen in einer unirdisch abgesteppten Prärie. Diese, seltsame andere Welt badet in einem kühlen Mondlicht, mit Sternen, Schatten, Farben und Texture-mapping. Hier liefert der Computer unter Mithilfe des Künstlers eine fast überzeugende Szene.

Der 3D-Graphikcomputer ist ein außergewöhnliches Instrument für die Visualisierung imaginärer Welten, jener, die in der Realität sehr wahrscheinlich nicht existieren. Und dies hat mich zu dieser neuen Technologie gebracht: der Wunsch, Bilder von Atomstrukturen für mein Werk "Portrait of an Atom" zu entwerfen. Dieses Projekt hat sich über drei Jahrzehnte hingezogen (als Kunstwerk, nicht Wissenschaft), und ich schlage darin eine alternative und dennoch kohärente elektronische Architektur des Atoms vor, ein eklektisches Atom aus einer Vielzahl von Modellen in der jüngsten Vergangenheit.

In den vergangenen Jahren habe ich mich im Bemühen, den Weg des Illustrators zu begehen, der Skulptur zugewandt und Modelle aus verschiedensten Materialien geschaffen - Holz, Plastik, Stahl etc. Viele waren durchaus elegant genug, aber keines war wirklich erfolgreich. Verglichen mit den transparenten, federleichten, dahinschwebenden Atomen meiner Imagination war ich enttäuscht, daß man immer die Seile sah, genauso wie den Leim, die Nägel und die Schweißnähte. Und in der Tat, diese Skulpturen schienen eher zu hemmen als bei der Kommunikation von Ideen zu helfen. Sie sahen nach allem aus, nur nicht nach dem Prototypen eines Atoms.

Endlich wurde in diesem Jahrzehnt der 3D-Computer erhältlich. Vorausgesetzt, man hat genug Geld und Zeit , kann man als Künstler so ziemlich jedes Objekt simulieren, das der Geist sich vorstellen kann. Ich kaufte mir einen Silicon Graphics 3130 mit Wavefront Software und habe mich jetzt zwei Jahre damit beschäftigt, das System zu erlernen und Bilder zu machen.

Wenn ich jetzt meine Bilder zeige, finde ich, daß es kaum mehr etwas gegen meine ikonoklastische Atomstrukturen zu sagen gibt. Die Bilder, entstanden aus Gedanken und Computerdaten, sind verführerisch, oftmals schön und recht überzeugend. Es ist klar, daß Künstler wie Wissenschaftler jetzt in der Simulation des Unsichtbaren einen mächtigen Verbündeten haben.