Ars Electronica
 
 
 

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Prix1993
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
The Yearning / The Drowning
Char Davies


Licht fällt ein und "bricht" durch organische Formen. Das Licht vermittelt jene atmosphärische Stimmung, die entsteht, wenn Licht durch bunte Glasscheiben fällt.

Meine ganze Arbeit - auch die Bilder, die ich Jahre vor meiner Arbeit mit 3D-Software gemalt habe - setzt sich mit meinem Bedürfnis auseinander, eine bestimmte Vision der Welt mitzuteilen.

Die Bilder "The Drowning (Falling from One into the Other)" und "The Yearning" betrachte ich nicht eigentlich als Computerkunst oder Computergraphik. Es ist eben Kunst, die mit Hilfe von Computertechnologie entstanden ist. Ich nenne sie 3D-Standbilder, denn im wesentlichen sind sie Kader aus dreidimensionalen virtuellen Welten.

Hergestellt wurden sie auf interaktivem Weg mit der 3D-Animationsoftware von Softimage. Mit meinen Forschungen entwickle ich die Möglichkeiten der Software bis hin zu einem Instrument des emotionalen und intuitiven Ausdrucks, denn das sind die Möglichkeiten, die ich am meisten schätze.

Inhaltlich sind diese Bilder die Früchte einer immer weitergehenden Suche nach einer grundlegenden Einheit von Natur und Psyche. Angetrieben von dem Verlangen nach einer Kompensation dafür, in einer Welt zu Ieben, die entheiligt worden ist und zunehmend ihrer unbefleckten, wilden Örtlichkeiten beraubt wird, ist diese Arbeit der Versuch, unser spirituelles Eingebettetsein in der Natur auszudrücken und neu zu bestätigen. Als solches sollen die Bilder eine "hierophane" Qualität ("manifestations of the sacred") haben.

Interaktive 3D-Software befähigt mich, den metaphorischen Inhalt dieser Bilder virtuell auszudrücken, sie aus dem Reich der dumpfen Intuition in die reale Welt des Lichts und der dreidimensionalen Form zu bringen. Indem ich extensiv mit simuliertem Licht und Schatten im virtuellen dreidimensionalen Raum arbeite und Photorealismus und Abstraktion, Festigkeit -und Transparenz, Volumen und räumliche Zweideutigkeit kombiniere, bin ich dazu in der Lage, Subjektivität und Objektivität sowie metaphysische und physikalische Bereiche in einer Weise zu integrieren, daß Technik und Inhalt gleichbedeutend sind.

Einfach gesagt, besteht meine kreative Methode darin, räumliche Gebilde herzustellen und sie mit Licht und Kamera in eine dreidimensionale Szenerie zu stellen. Indem ich mit einem großen Spektrum an Parametern arbeite, speziell mit so ähnlichen wie Materialoberfläche, Licht und Kameraoptiken, entwickle ich eine Komposition, wie sie meinen Vorstellungen entspricht.

Das eigentliche Bild entsteht über vielfache Veränderungen und Probeläufe, einem Prozeß unterschiedlicher Kontrollgrade und glücklichem Zufall. Wenn ich dann beim optimalen Ergebnis angelangt bin, wird es noch einmal in hoher Auflösung gerendert und schließlich auf Film aufgenommen.

Auf einer anderen Ebene beinhaltet meine Methode auch das Umgehen der linearen Perspektive, des kartesianischen Raumes und des objektiven Realismus (was offenbar dem Computer als Kind westlicher Zivilisation innewohnt), um die kulturell bedingte Distanz zwischen dem Betrachter und der Welt zusammenbrechen zu lassen.

In diesem Licht besehen, ist meine Forschungsarbeit insofern eine philosophische, als sie versucht, eine nichtdualistische Weltsicht auszudrücken, die den Menschen selbst innerhalb der natürlichen Welt, eingeschlossen wie in einer Gebärmutter, Iebendig und schwebend sieht.

Technischer Hintergrund
HW: Silicon Graphics
SW: Softimage