Ars Electronica
 
 
 

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Prix1991
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Very Nervous System
David Rokeby


Das interaktive Environment von "Very Nervous System" von David Rokeby ermöglicht dem Besucher, Klänge durch entsprechende Bewegungen des Körpers zu erzeugen.

In der Installationsserie "Verv Nervous System" verwende ich Videokameras, Bildprozessoren, Computer, Synthesizer und Soundsysteme, um einen Raum zu schaffen, innerhalb dessen die Bewegungen eines Körpers Klang und /oder Musik erzeugen.

Ich habe die Arbeit aus vielen verschiedenen Gründen geschaffen, aber der vordringlichste war wohl einfach das Gefühl, Gegensätzliches schaffen zu wollen. Der Computer als Medium stellt sich dem Betrachter stark verzerrt dar. Deshalb wohl war mein erster Impuls bei der Arbeit mit dem Computer, dieser Verzerrung kräftig entgegenzuarbeiten.

Der Computer ist ein rein logisches Instrument, deshalb sollte sich die Sprache der Interaktion bemühen, möglichst intuitiv zu sein. Da der Computer dich deinem Körper entfremdet, sollte der Körper stark eingebunden werden. Weil die Aktivität des Computers auf den winzigen Spielwiesen der integrierten Schaltkreise stattfindet, sollte die Begegnung mit dem Computer in einem menschengerechten, lebensgroßen Umfeld passieren. Und eben weil der Computer objektiv und uninteressiert ist, sollte die Erfahrung hautnah sein.

Der aktive Teil der Arbeit ist ihr Interface. Es ist insofern ungewöhnlich,als es unsichtbar und sehr diffus ist, einen großen Raum einnimmt, wohingegen die meisten Interfaces sehr konzentriert und begrenzt sind. Dennoch ist das Interface essentiell und in Zeit und Raum stark strukturiert. Das Interface wird zu einer Zone der Erfahrung, der multidimensionalen Begegnung.

Die Sprache dieser Begegnung ist anfänglich unklar, aber sie entwickelt sich, während man forscht und experimentiert. Die Installation ist eine komplexe, aber schnelle Feedbackschleife. Das Feedback ist nicht nur einfach "negativ" oder "positiv", einschränkend oderverstärkend, die Schleife verändert sich kontinuierlich in dem Maße, in dem die beiden Elemente Mensch und Computer sich in Reaktion aufeinander verändern. Die beiden durchdringen sich, bis das Gefühl der Beherrschung verloren geht und die Beziehung zur Begegnung und bewußten Einbindung wird.

Die diffuse, parallele Art der Interaktion und die Intensität der interaktiven Feedbackschleife kann einen fast schamanenhaften Zustand erzeugen. Das Selbst expandiert (und verliert sich), bis es das Environment der Installation ausfüllt - und implizit die ganze Welt. Nach 15 Minuten fühlen die Leute häufig eine Nachwirkung der Erfahrung, fühlen sich direkt eingebunden in die zufälligen Geschehnisse der Straße.

Dieses unerwartete Gefühl einer fast schon spirituellen Begegnung hat einen großen Teil der ursprünglichen Entwicklung der Installation bestimmt, aber es ist nur ein Aspekt der Arbeit. Ich fühle häufig, daß es nötig ist, gegen das Moment dieser Erfahrung zu arbeiten und besonders gegen seine weniger deutlichen Manifestationen (ein Gefühl der Macht und Bestätigung, oder auch der 'Sauberkeit'), da diese die zugrundeliegenden Aspekte der Arbeit - die ebenso wichtig sind - überdecken und verschleiern können.

Indem ich der lnstallation andere visuelle Elemente hinzugefügt habe, habe ich die Aufmerksamkeit des Interagierenden von der Aufregung weggelenkt und die interaktive Beziehung deutlicher sichtbar gemacht.