Ars Electronica
 
 
 

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Prix1993
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


AUSZEICHNUNG
Paradise Tossed
Jill Scott


"Paradise Tossed" von Jill Scott bietet - aus dem Blickwinkel einer Frau - die Möglichkeit, vier Wohnungen aus unterschiedlichen Zeitperioden mit der jeweils dazugehörigen technischen Ausrüstung zu erforschen.

"Paradise Lost" oder "Paradise Tossed"?
"Paradise Tossed" ist ein computeranimierter Überblick, der den Zusammenhang zwischen Technologie, Zeitgeist und Design aus dem Blickwinkel von vier jungen Frauen hinterfrägt. Verwendet wird dabei Macro-Mind Director's lingo', mit dem man Zugriff zu verschiedenen Abschnitten einer 12minütigen 3D-Animation erhält. Die einzelnen Menüs liegen dabei vor dem Betrachter wie die Seiten eines Photoalbums, und er kann damit nicht nur Ausschnitte auswählen, sondern kann auch zeitlose Assoziationen knüpfen.

Wie sagte Margaret Mead einmal: "Utopia begründet sich auf der großen Unterschiedlichkeit der menschlichen Neigungen und Fähigkeiten und muß ... redundant genug sein, um die Vorstellungen eines jeden einzelnen Mitglieds der Gesellschaft mit aufzunehmen."

Diese Einsicht in die Redundanz der menschlichen Wesensart hat mich zu Nachforschungen inspiriert, die zu einer Reihe archetypischer Annahmen geführt haben. Ausgehend von meinen "Machinedreams" habe ich verschiedene Epochen (Jahrhundertwende, die Dreißigerjahre, die sechziger und die neunziger Jahre) im Bewußtsein untersucht, daß sie jene gewaltigen Veränderungen in unseren Lebensumständen verkörpern, deren Zeugen wir seit Beginn dieses Jahrhunderts sind.

Ich stellte mir vor, daß dem Betrachter über Interaktion archetypische Szenarien vermittelt werden könnten. In "Paradise Tossed" kann der Betrachter Traumwohnungen aus der Designgeschichte betreten, die alle mit der Überschrift "Treten Sie ein in das Heim Ihrer Träume?" versehen sind. Die vier Animationen (Jugendstil, Art Deco, Op-art und Raumfahrtzeitalter) tun sich demgemäß auf. Die Wahlmöglichkeiten sind redundant genug, um die Klischees von Utopia zu bestätigen, aber ich dachte, sie könnten die Zeit überbrücken und genausogut heute als gültigeWahlmöglichkeiten im Hinblick auf Sehnsüchte stehen.

Die nächste Abteilung vermittelt eine Reihe von Wahlmöglichkeiten auf technologischem Gebiet. Hier wird die Haushaltstechnik als eine Metapherfür die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine eingesetzt, und wieder werden hier Veränderung und Manipulation innerhalb des weiblichen Betätigungsfeldes offenbar, indem sich die Haushaltsgeräte verführerisch in einer Landschaft weiblicher Körperkonturen präsentieren. Zur Bestätigung wird der Betrachter aufgefordert: "Nun,steigen Sie doch ein in die Technologie von morgen!" An einer weiteren Stelle kann der Betrachter durch die Schlagzeilen flitzen, die alle im Erscheinungsbildder jeweiligen Epoche gestaltet sind.

Ein weiteres Menü ist übertitelt mit der Aufforderung "Reisen Sie mituns in eine andere Welt!". In diesem Abschnitt wird der Zuschauer Zeuge des Mobilitätsschubs des letzten Jahrhunderts, indem er die Transportverhältnisse auf einem Schiff, in einem Zug, einem Auto und in einem Flugzeug verfolgen kann.

Die signalhaften Stellungnahmen sind bewußt verführerisch formuliert und erinnern an die Verkaufs- und Werbemethoden, die den Durchschnittskonsumenten überzeugen sollen. In "Paradise Tossed", so hoffe ich, durchschaut der Betrachter die Verführung.

Technischer Hintergrund
HW: IBM, Macintosh
SW: Topaz, Lumena, MMD, Photoshop