Ars Electronica
 
 
 

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Prix1988
Prix 1987 - 2007

 
 
Veranstalter:
ORF Oberösterreich
 


GOLDENE NICA
Clarinet Threads
Denis Smalley


"Clarinet Threads" von Dennis Smalley versucht, ein neues Environment für ein traditionelles Instrument zu schaffen und einen Kontext für die erstaunlich große Vielfalt von Klangtypen zu finden, die die Klarinette produzieren kann.

Die Geburt des Computers signalisierte eine neue Ära in der elektroakustischen Musikkomposition. Sie erweiterte in dramatischem Ausmaß die Möglichkeiten der Neuformung existierender Klänge, die Anwendung "musikalischer Mikrochirurgie" zur Schaffung von zuvor ungehörten Tönen, lieferte flexible Mittel für den Aufbau neuer klanglicher Texturen, Strukturen und Räume und ermöglichte ein Instrument zur Erforschung des Klangverhaltens und wie unser Geist auf Klänge reagiert.

Getrieben von der unerschöpflichen Neugier des Menschen, sucht der computerunterstützte Komponist ein neues Bewußtsein unserer physischen Umgebung und die psychologische Umgebung zu enthüllen, innerhalb deren wir denken, fühlen und kommunizieren. Dies sind die endgültigen menschlichen Belohungen für kreatives Denken und Handeln, für Erforschung und Imagination. Dies sind die hintergründigen Träume und Ziele unserer unaufhörlichen Freude am Musikhören.

"Clarinet Threads" zieht aus, um ein neues Environment für ein traditionelles Instrument zu schaffen, um einen Kontext zu finden für die erstaunlich große Vielfalt von Klangtypen, die die Klarinette produzieren kann. Die vielfältigen und freizügigen, modernen Persönlichkeiten der Klarinette schlugen eine Verjüngungskurs durch Kontakt mit computergestützten Umfeldern vor.

Diese Umfelder wurden aus einem großen Klangrepertoire genommen, das zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten zusammengestellt wurde. Soviel mir bekannt ist, gibt es noch kein allgemeingültiges, einziges System der Computermusik (Und: Wird es eines geben? Soll es denn eines geben?). Und so habe ich anstatt zu versuchen, ein Stück von Anfang bis Ende durchzukomponieren, das einem System verhaftet ist - die Vielfalt und den fruchtbaren Reichtum der verfügbaren Systeme ausgenutzt, um eine Bibliothek von Klangobjekten und Sequenzen zu schaffen, die irgendwann verwendbar sein würden. Diese "Datenbank" umfaßte Klänge, die denen der Klarinette eng verwandt sind, ebenso wie solche, die ihr sehr ferne stehen. So vermischt sich eine in England aufgenommene Klangquelle mit einer in Toronto digital synthetisierten, und beide können auf einem System in Paris mit dem Computer digital verarbeitet werden.

Der interaktive Prozeß der Erforschung von Klängen mit Computern enthält viel Potential, Neues und Unerwartetes zu entdecken. Der Computer ist ein Begleiter der Imagination.

Technischer Hintergrund

Clarinet Threads wurde mit dem SSSP Digital Synthesizer der University of Toronto und mit dem Fairlight CMI der University of Birmingham realisiert. Digital Processing wurde am Studio Numérique, Groupe de Recherches Musicales sowie auf einem Publison Digital Pitch Shifter/ Delay der University of East Anglia durchgeführt.

Klarinette: Roger Heaton.